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Digitale Unabhängigkeit

Beim letzten Chaos Communication Congress hat Marc-Uwe Kling die Idee des Digital Independence Day – also des digitalen Unabhängigkeitstages – vorgestellt. Es geht dabei darum an jedem ersten Sonntag im Monat einen kleinen Schritt weiter in Richtung digitaler Unabhängigkeit zu machen. Auf der Projektwebsite di.day sind zum einen ein paar Anleitungen für beliebte Wechselprojekte zu finden, zum Anderen aber auch Hilfsangebote gelistet, wo man am 1. Sonntag im Monat hingehen und gemeinsam einen Schritt gehen kann. Aus meiner alten Heimat ist beispielsweise auch die Kulturbrennerei DoKa mit monatlichen Veranstaltungen dabei.

Die Initiative

Es geht dabei natürlich erstmal vor allem darum sich von großen US-Tech-Firmen los zu machen. Dabei hat die di.day-Initiative einen entspannten Ansatz: du musst nicht gleich die volle Kehrtwende machen, es reicht anzufangen. Beispielsweise alle Kommunikation von WhatsApp zu Signal zu wechseln ist nicht einfach, gerade Chat-Gruppen sind hier problematisch, weil man da nicht eine Person überzeugen muss, sondern alle, bevor man wechseln kann. Beim di.day geht‘s darum erstmal anzufangen sich selbst Signal einzurichten und erste Kommunikation mit einzelnen Leuten auf der neuen Plattform zu führen, sodass es nach und nach mehr werden und man irgendwann vielleicht WhatsApp ganz sein lassen kann. Ich dachte ich erzähle hier mal von meinen Wechseln in der Vergangenheit.

Messaging und Social Media

Im Sinne des di.day bin ich zwar noch bei WhatsApp, aber habe da lediglich 3-4 Kommunikationen, die noch darüber laufen. Alles andere ist bei mir seit vielen Jahren schon bei Threema und Signal (in meiner Anfangszeit hieß das sogar noch TextSecure). Was Social-Media-Plattformen angeht hatte ich hier vor ca. einem Jahr bereits von meinem Social Media Clean Up berichtet. Da muss ich mittlerweile konstatieren, dass Pixelfed als Instagram-Alternative für mich bisher noch nicht so wirklich gezündet hat. Aber das ist natürlich ein bisschen ein Henne-Ei-Problem. Sind keine Leute da, will niemand hin wechseln, weshalb keine Leute da sind. Also in diesem Sinne: Ich bin auf Pixelfed, folgt mir da gerne.

Payment

Ich habe lange Paypal genutzt und tue es auch immernoch, aber seit man Wero nutzen kann bei meiner Bank bin ich dabei. Letztes Jahr habe ich immer mal wieder mit Leuten drüber gesprochen und in der Regel war Interesse da und manche haben es sich gleich eingerichtet und wir haben uns mal gegenseitig eine 1-Euro-Überweisung hin und hergeschoben. Im privaten Umfeld habe ich Wero mittlerweile auch für „echte“ Zahlungen verwendet, wo früher eher Paypal zum Einsatz kam und ich denke, dass es mit der Zeit zunehmen wird.

Sicherheit

Immer mehr und mehr werden Passkeys als Alternative und Weiterentwicklung des Passworts angepriesen. Apple und Google vermarkten das gerne über ihr Ökosystem – also dass die Passkeys bei ihnen gespeichert und mit dem Smartphone oder Browser erstellt und verwaltet werden. Natürlich ein klassischer Versuch eines weiteren Vendor-Lock-Ins. Vor etwa zwei Jahren bin ich zu Hardware-Tokens gewechselt, also kleinen USB-Dongels, die Anbieter-agnostisch die Passkeys verwalten. Bisher habe ich keine schlechten Erfahrungen gemacht, von meinen zwei Geräten muss ich allerdings sagen, ist der YubiKey 5C NFC definitiv das bessere Gerät, ich hab mit diesem Token keine Probleme gehabt, dass es erkannt wurde ohne ähnliches.

Software

Fangen wir bei der Basis an. Mein Betriebssystem ist seit fast genau zehn Jahren ausschließlich Linux – immer Debian am Notebook, am Gaming-Rechner anfangs lange Xubuntu und im Moment Manjaro. Darauf aufbauend nutze ich die verschiedenen, gängigen Web-Browser, als Mail-Client bin ich Thunderbird treu. Zur Videobearbeitung habe ich angefangen mit Kdenlive und bin inzwischen bei DaVinci Resolve. Für einfaches Audio-Editing reicht mir Audacity. Zum Spielen kommt vor allem Steam mit Proton (für Windows-Spiele) zum Einsatz. Mit der Foto-Bearbeitung bin ich im Moment bei RapidRaw.

Mail

Bei meinen Mails bin ich über die Jahre mit verschiedenen Adressen bei unterschiedlichen Anbietern gelandet. Meine Anfänge machte ich bei GMX, 2008 kam ein Gmail-Account dazu und dann habe ich noch eine Adresse auf einer eigenen Domain. Als ich vor einem Jahr hier meine Website- und Domain-Technik etwas neu sortiert habe hatte ich auch überlegt mit einen Mails zu einem dedizierten Mail-Anbieter zu gehen. Diese Idee erfährt gerade wieder etwas frischen Wind, falls ich mich entschließe von Gmail weg zu gehen und alles zur Adresse der eigenen Domain zu wechseln.

Soweit sind das erstmal alle Dinge, die mir so eingefallen sind, wo ich schon umgezogen bin oder aktuell überlege. Mal schauen was das Jahr noch bringt, wo man sich noch besser unabhängig machen kann.

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