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Hurricane 2006 – Das spontane 2. Mal

Nachdem ich im vergangenen Jahr mehrere Male auf Konzerten und zum ersten Mal auf dem Hurricane war, hatte ich für 2006 noch gar keine Pläne auf irgendwelche Konzerte oder wieder auf das Hurricane zu fahren. Die Bands sagten mir in diesem Jahr auf den ersten Blick nicht so sehr zu, wie es im Vorjahr der Fall war. Abgesehen davon steckte ich noch voll im "Zukunfts-Stress". Einige Bewerbungen geschrieben, Absagen bekommen oder noch nichts wieder gehört und das Anfang Juni... das machte die Zeit nach dem Zivildienst nicht so entspannend wie im Vorjahr die freie Zeit zwischen dem Abitur und dem Beginn des Zivildienstes.

Doch dann trat eine Wende ein, die alles etwas anders aussehen ließ. Am 20. Juni (Dienstag) hatte ich ein Probearbeiten in Hannover, nach vorangegangenem Vorstellungsgespräch in der Woche davor. Am Ende des Tages wurde mir mitgeteilt, dass ich den Ausbildungsplatz haben könnte, wenn ich wollte. Na klar wollte ich! Schon auf der Rückfahrt mit dem Zug am selben Tag machte ich mir viele Gedanken. Durch die Stelle in Hannover musste ich nun natürlich auch umziehen, weg von zuhause und weg von allen Freunden. Ich bin ein Mensch, der im Grunde überall auf der Welt glücklich sein könnte, wenn ich nur 1-2 gute Freunde um mich habe. Da das leider in Hannover nicht gegeben war, wollte ich die mir noch verbleibende Zeit nochmal richtig nutzen mit meinen Freunden. Was lag da näher, als wieder auf das Hurricane zu fahren, erstmal gar nicht unbedingt der Musik willen, sondern viel mehr um der schönen Zeit mit meinen Freunden willen!? Der Entschluss war gefasst, ich wollte mit Biegen und Brechen noch auf das Festival! Da gab es nur ein paar kleine Probleme: in drei Tagen fing es schon an, ich hatte keine Karte, offiziell war es schon seit Monaten ausverkauft und selbst wenn es doch noch welche gegeben hätte, wäre es in der kurzen Zeit mit Bestellung, Bezahlung und darauf warten, dass die Karte ankommt die reinste Zitterpartie geworden, denn eine Abendkasse gab es dieses Jahr nicht!

Es musste also eine Lösung her. Erster Versuch: im Freundes- und Bekanntenkreis herumfragen, simultan zweiter Versuch: bei eBay suchen. Während von diversen Leuten Hinweise eingingen, wo ich noch ein Ticket herbekommen könnte, musste ich leider immerwieder feststellen, dass diese Karten entweder schon an andere vergeben waren oder es sich die Leute anders überlegt hatten. Bitter war es, als mir jemand eine Karte zugesagt hatte und dann eine Stunde später sich meldete, um mir mit zu teilen, dass durch ein Missverständniss ich die Karte doch nicht haben konnte, weil nun doch schon vorher jemand anderes diese "genommen" hatte. Nundenn, es half alles nichts, inzwischen war es Mittwochabend und ich hatte noch keine Karte. Alle Hoffnung ruhte nun auf dem online Flohmarkt! Ich bot hier und dort mit, wie es in solchen Situationen natürlich passieren muss, wurde ich einmal eine Sekunde vor Schluss um 50 Cent überboten, bitter! Aber eine Auktion stand noch aus, die ich dann auch glücklicherweise gewann. Ich hatte meine Karte!! Wie hab ich mich gefreut in diesem Moment. Nach kurzem eMail hin und her mit dem Verkäufer wurde eine Übergabe vor Ort abgemacht, wobei dann auch die Bezahlung erfolgte. Per Handy wollte man sich verständigen, um das Geschäft vor dem Gelände dann zu Ende zu bringen. Einziges ungutes Gefühl bei der Sache war nur noch, dass man nun ohne Ticket anreisen und darauf hoffen musste, dass es sich um einen ehrlichen Menschen handelte und die Technik einen nicht im Stich ließ.

Das Wichtigste war erledigt, die Karte hatte ich (auf dem Papier jedenfalls schonmal), nun musste noch schnell das Drumherum organisiert werden, was allerdings kein Problem darstellte. Am Donnerstag nochmal schnell einkaufen und ein Zugticket für den Freitag lösen. Am Freitagmittag ging's dann mit viel zu schwerer Sporttasche geschultert in den Zug, Freunde suchen und dann gemütlich bis Bremen fahren, allerdings wurde es immer voller und voller, was sich dann auch im Metronom nach Scheeßel nicht änderte. In Scheeßel angekommen machte sich eine große Masse an zumeist jungen Leuten auf den Weg zum Festivalgelände. Die bestimmt 3 Kilometer bei großer Hitze machten es nicht leichter und die schwere Tasche hatte schon längst ins Schulterfleisch geschnitten. Endlich vor dem Eingang angekommen kontaktierte ich kurz meinen Ticket-Verkäufer, der auch bald danach kam, mir die Karte übergab, ich ihm sein Geld und man sich noch viel Spaß auf dem Festival wünschte. Endlich stand dem Hurricane 2006 nun auch wirklich gar nichts mehr im Weg! Schnell das Festivalbändchen, Müllsack und Pfandchip geholt und ab auf den Zeltplatz. Freudig wurde ich von meinen Mitzelterinnen empfangen und zu unserer Gruppe gebracht, da sie schon einen Tag vorher angereist waren. Flux das Zelt aufgebaut und los ging's das erste Mal für dieses Jahr rüber zu den Bühnen!

Nach, wie schon im vergangenen Jahr, recht kurzem Fussmarsch und der schon bekannten Taschen- und Leibeskontrolle betrat ich das Konzertgelände. Als erstes musste ich gewisse Veränderungen zum Vorjahr feststellen. Die Bühnen waren anders angeordnet, was wohl mit dem Hinzukommen einer dritten, kleinen Bühne zu tun hatte, die ich allerdings erstmal überhaupt nicht sah. Des Weiteren gab es nicht mehr ein Gebiet am äußeren Rand, wo alle Merchandising-Stände aufgebaut waren, sondern sie waren eigentlich quer verteilt und standen zwischen Würstchen- und Dönerbuden, um nur mal zwei der diversen Fressbuden zu nennen. Nach kurzer Orientierungsphase hatte man sich grob auf dem Gelände zurechtgefunden und auch schnell die allbekannten Treffpunkte vom letzten Jahr wieder ausgemacht, zum Beispiel den orangenen Bar Cuba Stand, der farblich sehr herausstach oder die Drum-Tribühne, wo erstmal alle Raucher hin pilgerten um wieder den Umsonst-Tabak abzustauben, den es als Dankeschön für das Mitmachen bei einem Gewinnspiel gab, wobei den meisten das Gewinnspiel doch herzlichen egal war.

Erste Band, die ich an diesem Freitag so richtig bewusst gesehen habe, war Seeed. Ein Hammer-Auftritt der Berliner. Die Musik war super, alles war am tanzen und mitsingen, die Show war auch gut und sie haben einfach den Gute-Laune-Grundstein für das ganze Festival-Wochenende gelegt. Nicht nur die neuen Sachen wurden gespielt sondern auch Lieder von alten Alben bzw. die Lieder, die Ihren Durchbruch gebracht haben, wie "Dickes B.".

Danach ging's ca. eine halbe Stunde später mit gutem HipHop von Fettes Brot weiter. Allerdings machte ich zuvor noch einen kurzen Abstecher zur Blue-Stage, wo grade die mir bis dahin noch nicht sehr bekannten Arctic Monkeys spielten. In dem Moment, als ich sie, mir mehr oder weniger aus der Ferne, ansah, dachte ich eigentlich nur "Hmm, ja.. gute Musik. Kennt man ja gar nicht, die Jungs!" ..im Nachhinein musste ich feststellen, dass ich mich getäuscht hatte, man kannte sie, nur eben erst seit kurzem und sie rocken ziemlich das Haus! Vorne war wohl auch derber Pogo angesagt, jedenfalls habe ich mir später von einem Freund berichten lassen, dass es schon sehr heftig zuging vor der Bühne.

Wieder zurück zu den Jungs von Fettes Brot. Ich muss zugegebenermaßen sagen, dass ich nicht sehr viel von Ihnen kenne, nur die bekannten Auskopplungen und vielleicht ein bis zwei weitere Lieder, aber das war es dann auch schon. Daher würde ich jetzt für mich nicht unbedingt sagen, dass es das Spitzen-Konzert war, aber es war schon ganz gut, obwohl ich einen Kritikpunkt habe: Nordisch by Nature, ich habe mich ja wirklich gefreut dieses Lied seit langem malwieder zu hören (grade als jemand, der aus dem hohen Norden stammt) und anfangs war es ja auch noch witzig, als sie das Lied immerwieder in verschiedenen Versionen angefangen haben zu spielen, aber spätestens bei der 10ten Version (ich weiß gar nicht genau, wieviele sie gespielt haben, ob es überhaupt 10 waren, jedenfalls kam es mir so vor) hätte ich das Lied gerne einmal komplett gehört und nicht erst nach dem 10ten Anriss in anderer Version. Naja, es wäre zwar schön gewesen, aber noch lange kein Grund den ganzen Auftritt negativ zu sehen.

Das einzige Konzert, von dem ich an diesem Abend noch etwas mitbekommen habe, war das von "Manu Chao". Ich stand zwar nicht vor der Bühne, aber ich saß mit Freunden ein wenig zum Ausruhen auf der Drum-Tribühne und lauschte noch etwas den sehr sinnigen Klängen des mir bis dato nur als One-Hit-Wonder bekannten Künstlers.

Später, als alle Konzerte schon vorbei waren, ging ich rüber zum "Ostfriesischen Lager", wo viele meiner Freunde zelteten. Mit zweien wollte ich dann noch in den "Tittie Twister", das große Partyzelt, gehen. Als wir so vor dem Eingang standen und noch unsere eigenen Getränke leermachen wollten, trat auf einmal jemand an unsere Dreiergruppe heran und stellt sich uns vor. Er fragte wieso wir hier denn vor dem Zelt rumstehen und nicht reingehen würden, wir antworteten zwar, aber es schien nicht so, als wenn er die Frage der Antwort wegen gestellt hätte. Der Mann war nicht unfreundlich oder aufdringlich und wirkte auch nicht irgendwie durch sonstwelche Substanzen geistig verwirrt, er war einfach nur ein bisschen komisch. So erzählte er uns zum Beispiel, dass er langsam malwieder nach Hause müsste, er hätte seiner Frau mittags erzählt, dass er nur mal kurz einkaufen gehen würde und nun sei er schließlich hier auf dem Festival und es war mitten in der Nacht. Dann zeigte er uns noch etwas, was uns doch ein wenig mehr überraschte, nämlich sein Festivalbändchen, seine Eintrittskarte auf das Gelände. Sein Bändchen war nicht so wie unseres, er hatte sich von vielen Leuten die überstehenden Reste abschneiden und geben lassen und sich damit dann ein eigenes Bändchen zusammengenähnt. Bei näherem Hinsehen war für uns sofort ersichtlich, dass dieses Armband nicht echt war, aber anscheinend reichte die rote Farbe bei dem flüchtigen Blick der Ordner aus, um ihn mit diesem Selbstkontrukt einzulassen. Jedenfalls nach weiterem kurzen Gespräch verließ er uns wieder, wir hatten ausgetrunken, gingen in den "Tittie Twister", tanzten und kamen erst wieder raus, als es draußen schonwieder hell wurde. Die anderen beiden gingen schlafen, ich entschied mich die Gunst der Stunde auszunutzen und noch zu duschen. Tagsüber konnte man es vergessen die Duschen zu benutzen, es sei denn man wollte gerne eine Stunde warten, aber morgens um 5h ging es. Nach dem Duschen hab ich mich nochmal schlafen gelegt, aber schon ab 9h hielt mich die unausstehliche Hitze in meinem Zelt von einem richtigen, erholsamen Schlaf ab.

Aber man war ja auch nicht zum Schlafen auf das Hurricane gefahren, also verließ ich im Laufe des Vormittags wieder mein Zelt. Allerdings ging es nicht sofort wieder auf's Konzertgelände rüber, ich war noch viel zu kaputt von der letzten Nacht und die heiße Sonne ließ mich auch nicht richtig aktiv werden.

Am Samstag schlenderte ich erstmal ein wenig mit einem guten Freund über das Zeltgelände, Frühstückte, besuchte Freunde und letztendlich ging ich auch mal rüber auf's Konzertgelände. So richtig ein Konzert habe ich mir da erstmal nicht angesehen, nur ein wenig rumgelaufen und geschaut. Nach einziger Zeit ging's dann schonwieder zurück, denn heute war ja Fußball Weltmeisterschaftsspiel von Deutschland! Ich war mit zwei Freunden vor der Leinwand verabredet, wir fanden uns auch sehr schnell und warteten erstmal noch bis zum Anpfiff. Die Zeit wurde mit Singen, sich bemalen lassen und die Hitze mit kühlen Getränken überstehen verbracht. Aber dann war es endlich soweit, Anpfiff!

Abgesehen davon, dass das Spiel der deutschen Nationelf super war, war es eine unglaubliche Atmosphäre dort vor der Leinwand. Da wir schon recht früh da waren, standen wir auch ziemlich weit vorne und natürlich noch ohne Probleme in dem Bereich, der später abgesperrt wurde. Während des Spieles war mir gar nicht bewusst, wieviele Leute dort standen und das Spiel sahen, erst als ich später bei Arte den Bericht über das Hurricane '06 sah und dort von oben der Platz vor der Leinwand gezeigt wurde, habe ich erst gefasst, was für Menschenmassen sich dort dieses Spiel mit uns ansahen. Es war jedenfalls unglaublich, die Freude bei einem Tor, das Mitfiebern, wenn wieder einmal der Pfosten getroffen wurde und natürlich die Schadenfreude beim verschossenen Elfmeter und die spätere überschwengliche Freude über den Sieg, der auch den Samstag schon früh zu einer riesigen Feier machte!

Nach dem Spiel ging es relativ bald wieder zum Festivalgelände rüber, denn auf der Green-Stage kamen drei Bands, die ich unbedingt sehen wollte: Mando Diao, The Hives und The Strokes. So gut es ging ergatterte ich mir noch einen Platz schräg links vor dem T-Mobile - Turm mit ein paar Freunden. Da ging es auch schon los. Mando Diao und The Hives legten eine sensationelle Show hin und übertrugen Ihre "Power" auf das Publikum, was natürlich auch mit an Ihren einfach genialen Songs lag. The Strokes haben zwar auch gute Musik gemacht, allerdings nichts spektakuläres, nicht einmal auf das Publikum eingegangen, halt nur ihr Album runtergespielt und fertig. Wie man über das Austicken des Sängers denken möchte, der einfach eine 150.000 Euro Kamera kaputt schlug, soll jedem selbst überlassen sein, ich finde, dass soetwas nicht nötig ist und damit steigt bei mir auch kein Künstler in meinem Ansehen, aber nungut, anscheinend kann er es sich ja leisten.

Am Samstagabend habe ich nichts besonderes mehr gemacht, schonwieder in den "Tittie Twister" musste nicht unbedingt sein und so entschied ich mich für nettes nächtliches Beisammensitzen mit Freunden.

Der Sonntag begann im Grunde wie der Samstag, nur dass ich mich diesmal mit einem guten Freund traf und wir mit mehreren Leuten schon vormittags zum Konzertgelände übersiedelten, um uns dort erstmal ein wenig unter die Bäume in den Schatten zu legen. Als wir uns ins Gras betteten war es noch für 50.000 Besucher recht ruhig auf dem Gelände, als wir uns allerdings die wenig helfenden orangenen Sonnenschirmmützchen, die am Geländeeingang ein bekannter Radiosender verteilt hatte, wieder aus dem Gesicht zogen und mit leicht verschlafenem Blick sahen was los war, wurde uns klar, dass wir bei Billy Talent malwieder nur noch von weiter hinten zusehen konnten. War dann bei dem Konzert auch nicht so schlimm, denn die Akustik war natürlich auf so einem großen Festival wie dem Hurricane trotz großer Entfernung gut. Das Konzert selbst von Billy Talent war grandios, ich kannte damals noch nicht wirklich viele Lieder, aber toll war es trotzdem, wenn ich auch sagen muss, dass das Schreien live manchmal doch etwas mehr nach reinem Geschreie klang, als man es von Studioaufnahmen kennt, aber nungut, man fährt ja auch nicht auf ein Festival um das Lied haargenauso wie von der CD bekannt zu hören, dann könnt' man sich ja gleich zuhause hin setzen und einfach die CDs der Bands durchhören.

Was ich im Nachhinein sehr schade finde, nach dem Billy Talent - Konzert war ich nur kurz zur Blue-Stage rüber und habe nur so nebenbei ein bisschen von den Mad Caddies mitbekommen, heutzutage würde ich glaube ich viele andere Bands sausen lassen, um diese nur einmal live zu sehen.

Nach meiner Mad Caddies - Sünde gleich die nächste, ich habe mich in Ruhe in etwas Entfernung vor die Green-Stage gesetzt und The Cardigans gehört. Der Auftritt war zwar in Ordnung und für so einen, wieder sehr heißen, Sonntagnachmittag auch ganz nette ruhige Musik, aber dafür die Mad Caddies sausen lassen? Ohman...

Nach den Cardigans bin ich wieder rübergegangen zur Blue-Stage, wo nun Lagwagon spielten. Ich weiß nicht wieso, aber viel war nicht los vor der Bühne, weshalb ich mit ein paar Freundinnen und Bekannten so ziemlich direkt am Wellenbrecher stand. Auch die Jungs von Lagwagon machten einen guten Auftritt und wie viele Künstler spielten sie etwas mit der Kamera, die vor der Bühne herfuhr.

Eine Maßnahme der Festivalorganisation gegen die Hitze und den vielen Staub bekamen wir nun hautnah zu spüren: Wasserschläuche, die in hohem Bogen Wasser über die Zuschauer verteilten. Beim ersten Mal rang man förmlich naiv nach dem Wasser, was bei der zweiten Runde dazu führte, dass wir dem Wasser doch versuchten etwas auszuweichen, nun wohlwissend, dass auch bei großer Hitze Wasser sehr nass und vor allem auf der Haut recht kalt ist, grade wenn man total durchnässte Klamotten hat. Das führte dazu, dass wir uns versuchten gegenseitig vorzuschieben beziehungsweise hintereinander zu stellen, um dem Wasserstrahl zu entgehen, was im Grunde eine recht lustige Sache war, ich denke mal, die Beteiligten denken ähnlich darüber, ich empfand es jedenfalls als ziemlichen Spaß damals!

Nach dem Lagwagon-Konzert war für mich erstmal kurz Pause angesagt. Ich hoffte darauf, dass die Sonne meine Klamotten schnell trocknen würde, doch das blieb leider aus, denn inzwischen waren ein paar Wolken aufgezogen, weshalb die Sonne nicht mehr so in dem Maße schien, wie bisher an diesem Tag.

Mit immernoch leicht feuchter Kleidung wartete ich auf den Anfang von Apocalyptica. Ich habe mir in etwa die erste halbe Stunde angesehen und es war auch sehr interessant, wie man mit Instrumenten der klassischen Musik Metal machen konnte, trotzdem hielt es mich nicht auf Dauer dort, denn ich wollte den Auftritt von Wir sind Helden sehen und bin daraufhin wieder rübergegangen zur Green-Stage. Besonders weit vorne konnte ich nun wirklich nicht stehen, dafür war ich viel zu spät da, aber ein bisschen nach vorne sich durchschieben war natürlich trotzdem möglich und so hörte ich mir das lustig-fröhliche Konzert der Helden an, bei der die Masse laut mitsang und -tanzte, was malwieder das gute, wohlbekannte Festival-Gemeinschafts-Feeling hervortreten ließ.

Nach dem Wir sind Helden - Auftritt tröpfelte es leicht vom Himmel und ich dachte mir, dass nun doch noch die Hurricane-Regen-Regel („Kein Hurricane ohne wenigstens ein bisschen Regen.“) in Kraft treten würde, weshalb ich mich entschloss mal kurz zum Zeltplatz rüber zu laufen und meine Regenjacke zu holen um dann wieder zu kommen. Aber -wie man in Ostfriesland jetzt sagen würde- Fleitje piepen (sinngemäß übersetzt ist es wohl so etwas wie „Denkst'de!“)!

Kurz bevor ich an meinem Zelt ankam setzte richtig starker Platzregen ein, ich suchte nun so schnell wie möglich das Innere meines Zeltes auf. Wegen dem, mit dem Regen aufgekommenen, Sturm, breitete sich bei mir Sorge um die Stabilität meines Zeltes aus, da ich es beim Ankommen mit nur wenigen Heringen sporadisch festgemacht hatte. Ich entschloss mich meine restlichen Heringe im Zelt zusammen zu suchen, schnell raus in den Regen zu gehen und mein Zelt wieder notdürftig mit Heringen nach zu rüsten, denn so viele hatte ich auch nicht mehr. Als ich wieder im Zelt saß versuchte ich einfach nur noch alles fest zu halten und den Eingang ins Zelt so zu verschließen, dass kein Regen reinkam. Zwischendurch rannte ich noch ein paar mal wieder raus um die Heringe erneut fest zu machen, da sie durch den aufgeweichten Boden ab und an lose wurden, jedenfalls befürchtete ich dies.

Um ca. 23h tat sich ein kleiner Hoffnungsschimmer auf, der Regen hatte aufgehört! Ich verließ mein Zelt und watete über den Campingplatz, der Boden war in einem fürchterlichen Zustand, meine Schuhe waren schon nach wenigen Metern total durchnässt. Auf dem Weg zum Tittie Twister kamen mir viele Leute entgegen und man hörte häufig die Worte „Schnell weg hier.“, doch kurz darauf erfuhr ich von einem Ordner, dass sich das schwierig gestaltete, da die Autos von den Feldern nicht mehr runterkamen, weil sie sich festgefahren hatten bzw. im Schlick versunken waren. Im Tittie Twister waren viele völlig durchnässte Leute, die sich vom großen Zelt Wärme und Trockenheit erhofften, mit nicht all zu großen Qualitätsansprüchen konnte es dem auch gerecht werden. Das Rote Kreuz allerdings war sehr mager ausgestattet. Wenn ich recht informiert war, waren rund 300 Alu-Wärmedecken vor Ort und es wurden nochmal 1000 nachgeordert, als der Ansturm der völlig durchnässten Leute aufkam, ich hätte ehrlichgesagt etwas mehr erwartet, wenn man von vornherein weiß, dass 50000 Menschen da sind.

Nach etwa einer halben Stunde machte ich mich wieder auf den Rückweg zu meinem Zelt. Ich erahnte böses, als ich schon auf diesem Weg wieder die ersten Regentropfen abbekam. Kurz vor meiner Ankunft an meinem Zelt fing der Regen wieder voll an und ich wurde nochmal richtig nass. In meinem Zelt angekommen ging wieder das Festhalten und Sichern los, als dann langsam der Zeltboden feucht wurde packte ich meine Sachen soweit wie möglich zusammen und harrte weiter aus. Gischt spritze mir durch die Zeltwand ins Gesicht, da fängt man doch langsam an, am Zelt zu zweifeln. Wenn man so alleine in einem kleinen Iglu-Zelt sitzt, der Regen auf selbiges peitscht und der Sturm daran rüttelt kommt man sich doch schon ziemlich verlassen vor, auch wenn man eigentlich weiß, dass in der Nähe mehrere Tausend Menschen sind, denen es genauso ergeht. Später habe ich dann noch 3 stunden geschafft zu schlafen, wenn man das so nennen möchte, ich habe mehr auf meinem nassen Schlafsack im nassen Zelt gelegen und bin zwischenzeitlich etwas eingenickt. Bis ca. 4h ging dieses heftige Wetterspektakel noch. Einige Leute liefen auch auf dem Campinggelände herum und feierten, nach wenigen Minuten waren sie natürlichen komplett durchnässt, aber aus irgendwelchen Gründen (Alkohol, Gleichgültigkeit, eine große Menge Galgenhumor, was weiß ich) störte sie das nicht.

Am Montagmorgen standen wir früh auf, ein Blick über den Zeltplatz verdeutlichte nochmal, was wir in der vergangenen Nacht erlebt hatten, alles war verwüstet und überschwemmt. Einzelne Zelte, die in einer leichten Senke aufgebaut waren, standen völlig unter Wasser, andere waren vom Sturm einfach umgeweht worden. Wir packten jedenfalls schnell unsere restlichen Sachen zusammen, machten uns auf den Weg zum Bulli und bepackten ihn, dort entstand dann auch noch ein sehr schönes Foto unserer Festival-Truppe, fertig und durchnässt an den Bulli gelehnt.

Später gaben wir noch unseren Müllsack ab, holten uns unsere 5,- € Müllpfand zurück und machten uns auf den Heimweg, der malwieder sehr lustig wurde. Der Parkplatz war doch schon stark geleert inzwischen, viele hatten noch bei Nacht oder sehr früh die Heimreise angetreten und man kam sofort vom Gelände herunter, ohne Stau oder Ähnlichem.

Ganz traditionell fuhren wir natürlich noch wieder bei McDonals vorbei, der wieder proppevoll mit Hurricane-Besuchern war und später auf der Autobahn traf man diese dann natürlich auch zu hauf nochmal.

Es war auch in diesem Jahr wieder ein sehr tolles Festival mit einem sehr einprägsamen Ende, das mit Sicherheit noch vielen lange im Kopf bleiben wird, doch ich hoffe, dass sich nicht zu viele davon abschrecken lassen, nächstes Jahr wieder hin zu fahren, ich jedenfalls werde wieder dabei sein zum 11. Hurricane-Festival!