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Hurricane 2005 – Mein allererstes Festival

Ein paar Freundinnen haben mich überredet mit zu fahren, nachdem ich schon im Jahr davor nicht mitgefahren bin. Aber ein weiterer Grund für die Entscheidung war, dass eine meiner absoluten Lieblingsbands dort auftrat, die grade das erste ihrer zwei Alben für dieses Jahr herausgebracht hatten, nämlich System of a Down! Aus diesem Grund orderte ich mein Festival-Ticket auch schon zum Frühentscheider-Sparpreis im Januar, zwar gab es etwas Probleme mit der Lieferung der Karte, allerdings lag dies an der Post. Aber da die Karte dann schlussendlich doch mehr als rechtzeitig da war, konnte es losgehen.

Wow, mein erstes Festival. Auf Konzerte ging ich schon seit Jahren, daran hatte man sich so langsam gewöhnt, aber ein Festival war ja schon etwas anderes, alleine wenn man schon an solche legendären Festivals wie das Woodstock denkt. Von Freunden die schon früher da waren hat man immer nur sowas gehört wie "War super geil, die Atmosphähre, die Musik, die Bands, einfach alles! Muss man unbedingt mal erlebt haben!!". Gesagt, getan!

Da wir am Freitag noch Abidröhnungs-Party hatten, sind wir erst am Samstag angereist, dafür allerdings schon morgens um 9h losgefahren, fünf Leute in einem kleinen Corsa, aber die Fahrt war trotzdem sehr sehr lustig. Beim Gelände angekommen wurden schnell im leichten Regen (es muss ja immer mindestens einen Tag auf dem Hurricane regnen...) die Zelte aufgebaut, erstmal kurz in Ruhe hingesetzt und was gegessen. Ich war erstmal sehr überwältigt von dem wirklich riesigen Zeltplatz. Zelte soweit das Auge reicht... und da soll ich mein Zelt bei Tag und Nacht wiederfinden? Na das kann ja heiter werden. Wurde es auch! Gleich nach dem ersten mal weggehen vom Zelt fand ich meins nicht mehr wieder, glücklicherweise war man ja mobil und ich konnte eine meiner Mitzelterinnen anrufen um mich dann lotsen und anschließend belächeln zu lassen, zum Glück kannten die Mädels die manchmal auftretende Planlosigkeit von mir schon.

Jetzt ging es aber endlich zum ersten Mal auf das eigentliche Festival-Gelände, wir hatten noch einen recht guten Zeltplatz und waren daher nach ca. 10 Minuten Fußmarsch angekommen.. jedenfalls an der Taschen- und Leibeskontrolle. Beim ersten Festivalgang noch etwas befremdlich, aber auch daran hatte man sich sehr schnell gewöhnt. Die letzte Hürde war nun überwunden und endlich betrat ich den Rasen, der in wenigen Tagen schon nicht mehr sehr grün sein sollte. Überwätilgt von den vielen Eindrücken und all den Sachen und Menschen, die es zu sehen gab, schlenderte ich langsam voran und lief dabei sogar anfangs an der ersten "kleinen" Bühne vorbei, die mir erst auffiel, als ich schon fast zur Hälfte vorbei gelaufen war, so abgelenkt war ich zu Beginn von all den Dingen, die sich mir darboten.

Das Leben auf dem Zeltplatz war ebenso lustig wie teils sonderbar. So wunderte ich mich vor allem, als plözlich eine Freundin aus unerfindlichem Grund laut "Helga" rief und daraufhin in anderen Zelten in der Umgebung diese Rufe mit weiteren "Helga"-Rufen erwidert wurden. Als das große Fragezeichen über meinem Kopf bemerkt wurde, klärte man mich auch sogleich auf, allerdings gibt es die Erklärung hier jetzt nicht zu lesen, geht selbst auf's Festival und findet es heraus!

Zum Zelten auf einem Festival gehöhrt natürlich auch, dass man es mit der Hygiene nicht so genau nimmt, kein Problem mit Essen vom Grill hat, auch nicht um 11h vormittags und man allgemein etwas luxuriös eingeschränkt lebt. Das allerdings zählt meiner Meinung nach zu den Dingen, die man später anderen Leuten mit "diese Festival-Atmosphähre" beschreibt, wozu auch "diese Freiheit auf dem Festival" gehöhrt, denn man fühlt sich schon etwas anders vom Lebensgefühl her auf einem Festival. Man kann vieles tun und lassen, wie man es möchte, man kann rumlaufen wie es einem gefällt, man bekommt zwar Sprüche zu hören, aber keine bösen und allgemein sind alle Festival-Besucher untereinander sehr freundlich und aufgeschlossen, einem wird ein Bier angeboten, man wird zum Grillen von den "Nachbarn" eingeladen usw.

Diese Freundlichkeit erstreckt sich auch vom Zelt- auf das eigentliche Festivalgelände. Bestes Beispiel, was aber mehr was mit Konzerten allgemein als speziell mit Festivals zu tun hat, ist das "wieder-hoch-helfen" vorne in der Menge vor der Bühne. In der engen Menschenmasse, die ständig in Bewegung ist und wo es schonmal beim Pogo etwas knackiger zugeht, kann es leicht mal passieren, dass jemand auf dem Boden landet, dann allerdings werden einem sofort ein Dutzend Hände entgegen gestreckt, die Leute greifen einem sprichwörtlich unter die Arme und schnell steht man wieder auf seinen zwei Beinen. Eine freundliches Klopfen auf die Schulter und ein Dankeschön (von dem man aber meistens nur die Lippenbewegung sieht und nichts hört wegen der Lautstärke der Musik) und die Sache ist erledigt!

Wo ich grade von Musik schreibe, Bands waren ja auch da! Meine persönlichen Eindrücke der Gruppen: Allen Voran war natürlich für mich der Auftritt von System of a Down der absolute Höhepunkt des Festivals. Die Bühnenshow war sehr beeindruckend, trotz des erst vor kurzem neu erschienenen Albums haben sie diverse ältere Stücke gespielt, die dem Publikum bereits bekannt waren und somit absolut zum mitmachen animierten, allerdings gab es auch schon einen Ausblick auf den zweiten Teil des Albums, der im Herbst dann erscheinen sollte, nämlich spielten sie das absolut Live-Publikum-taugliche "Holy Mountains". Musikalisch war die Band auch sehr gut, allerdings machte die Technik dabei manchmal Probleme, denn während des Auftritts fielen mehrmals die Hauptboxen für das Publikum aus, sodass wir nichts mehr hörten, die Monitore (Boxen für die Musiker, die auf die Bühne gerichtet sind) hingegen liefen weiter, sodass die Band selbst gar nicht immer etwas von dem Ausfall mitbekam und so munter weiter spielte. Das würde ich zwar als akustischen Minuspunkt bezeichnen, allerdings nicht der Band anrechnen.

Ein weiterer emotionaler Höhepunkt war, als wir im Dunkeln, bei Regen unter dem Dach einer Bierbude standen und von der Bühne her auf einmal "Here without you" von 3 Doors Down erklang. Ebenso war es ein sehr tolles Gefühl, als Audioslave auf einmal alte Rage against the Machine - "Klassiker" spielten und das ursprüglich von Soundgarden stammende "Black Hole Sun" zum Besten gaben.

La Vela Puerca brachten die Massen mit ihrer Ska-Musik zum tanzen, was am Samstag Nachmittag eine tolle Sache zum einstimmen auf den Abend und das weitere Festival war. Wobei mich La Vela Puerca auch zur nächsten Band bringt, da ich sie mal als Vorband für diese gesehen habe, nämlich fü Die Ärzte. Selbige setzen am Sonntagabend sozusagen den Schlusspunkt des Festivals. In gewohnt lustiger Art präsentierten sie ihre neuen wie auch alten Songs und brachten alle nochmal in Feierstimmung für die letzte Nacht. Alles in allem aber eher ein normales, daher auch gelungenes Ärzte-Konzert, aber keines dass mir speziell in Erinnerung bleiben wird.

Ein Konzert allerdings ist mir speziell in Erinnerung geblieben, nämlich das der Beatsteaks. Nicht nur wegen der Musik, die live übrigens sehr gut war, sondern vor allem wegen den Erlebnissen im Publikum. Ich hatte mich zu den Beatsteaks weit nach vorne gewagt, objektiv würde man im Nachhinein sagen ein Fehler, jedoch subjektiv betrachtet würde ich sagen geil! Jeder Gitarrenriff und absolut jede Tempoveränderung der Musik konnte man unmittelbar in der Menge spüren und so passierte auch, was ich seitdem noch nicht wieder erlebt habe bei einem Konzert: ca. 6-9 Reihen auf einem Streifen von knapp 20 Metern Breite kippte plötzlich einfach so um und ich natürlich mittendrin. Mit einem mal kam von irgendwo her ein riesiger Schwung, alle mussten sich auf ihren Vordermann lehnen, was dazu führte, dass wir einfach alle hinfielen. Für Leute die ruhig blieben kein großes Problem, sofort fing das oben beschriebene "wieder-hoch-helfen" an, aber bei so vielen Menschen dauerte das natürlich etwas und ein Mädchen in meiner Nähe bekam leider etwas Panik, da sie nicht sofort wieder aufstehen konnte, weil jemand auf ihrem Fuß lag, der ebenfalls noch nicht wieder hochkam. Aber auch hier setze die Hilfsbereitschaft der Festivalbesucher wieder ein, denn sie bevorzugten sie den anderen erstmal, versuchten sie schneller herauszuziehen und redeten ihr solange gut zu ruhig zu bleiben. Nachdem alle wieder standen ging es für den betroffenen Publikumsabschnitt weiter wie bisher: Pogo bei jedem Lied, Crowd-Surfer auf dem Kopf (2005 war es ja noch nicht verboten) und super Beatsteaks natürlich!

Den letzten Abend verbrachten wir nach dem Ärzte-Konzert eher ruhig. Gemütlich im Kreis bei den Zelten sitzend mit einem kleinen Umtrunk zum "Abschied". Am Montagmorgen sind wir dann früh aufgestanden (bis 10h musste der Zeltplatz ja geräumt sein), haben alles eingepackt und uns wie viele andere auch auf den Heimweg gemacht. Nachdem man aus dem größten Stau raus war ging's ganz traditionell zu McDonalds. Erstmal frühstücken, eine saubere Toilette benutzen und vielleicht noch was an Verpflegung mitnehmen für die Fahrt. Klar war natürlich, dass es im McDonalds nur so wimmelte von Hurricane-Besuchern und später auf der Autobahn traf man immerwieder auf Autos, die eindeutig auch am Wochenende in Scheeßig waren und sympatisch winkte man sich von Fahrzeug zu Fahrzeug zu.

Zuhause angekommen war ich kaputt, total fertig von dem Wochenende, erstmal war duschen angesagt, aber danach gleich eine Runde schlafen legen. Aber eins stand, wenigstens zu diesem Zeitpunkt, eindeutig fest: nächstes Jahr bin ich wieder dabei!