Die Band
Von den "Erratics" zu "Hini Søle & Bernd"
Januar 2004, Schulhof. Sören (ein alter Freund, den ich seit Jahren vom Handball kenne) spricht mich an, er hätte gehört, dass ich seit kurzem E-Bass spiele. Er und ein Freund spielen häufiger zusammen –er Gitarre, der Freund Schlagzeug– und sie suchen noch Leute für Ihre Band, ich sollt doch mal am Samstag bei ihm vorbeikommen. Gesagt getan. Da wir leider seit längerem nicht mehr so viel miteinander zu tun hatten und er etwas kompliziert auf dem Land wohnt brauchte ich erstmal noch eine Anfahrtskizze, die war allerdings schnell gezeichnet (und verdammt gut sogar, sei am Rande mal erwähnt), sodass ich am besagten Samstag schnell den Weg fand.
Meinen Bass hatte ich erst 3 Monate, seit der 10. Klasse keinen Musikunterricht mehr und Noten lesen konnte ich auch nicht (was heißt hier eigentlich "konnte"..), aber das hatte ich alles schon einleitend den Jungs gesagt und es war ok. Der Schlagzeuger-Freund Sörens war Matthias, er spielte damals auch noch nicht so sehr lange Schlagzeug, aber war schon recht gut. Wir verstanden uns auf Anhieb und unterbrachen zwischendurch immer malwieder um nebenan etwas zu kickern.
Von nun an trafen wir uns jeden Samstag um 12h und probten immer ca. 6 Stunden, wobei wir immer mal andere Sänger hatten. Das lag zum einen daran, weil mal der eine die Lust daran verlor regelmäig zu kommen und man sich nicht drauf verlassen konnte, wenn man verabredet war, dass er dann auch kam, zum anderen waren wir als "Band" auch mal mit dem einen oder anderen Sänger nicht zufrieden, was dann irgendwann dazu führte, dass wir eben keinen Sänger hatten.
Kurz nachdem uns dieses Problem bewusst war, lief ich mal mit Sören über den Schulhof und trafen Lenne (ein sehr guter Freund von mir). Ich fragte Lenne einfach mal spontan "Lenne, hast du nicht Lust bei uns in der Band Sänger zu sein?". Lenne, wie immer von so ziemlich allem sofort begeistert, sagte natürlich zu. Abgesehen davon war es schon immer sein Traum mit einer Band auf der Bühne zu stehen, er als Frontmann, angehimmelt von den vorzüglich weiblichen Fans... nagut, man musste realistisch bleiben, wir waren eine kleine Hinterhof-Garagen-Coverband mit bisher genau 0 Auftritten, aber jeder fängt ja mal klein an. Lenne kam jedenfalls zur Probe, haute am Mikro sofort voll rein und verstanden haben wir uns auch alle miteinander, perfekt! Die Band war gefunden. Von nun an probten wir jeden Samstag in fester Besetzung und übten die Lieder ein, die wir spielen wollten.
Nachdem die Band nun stand und die Proben liefen hatten wir auch schon unsere ersten Auftritte klargemacht. Jetzt fehlte aber noch etwas, denn wie sollte man uns ankündigen? Was sollte für ein Name auf den Plakaten stehen? Dieses Problem lösten wir schnell. Kurz im Proberaum etwas umgeschaut und –zugegebenermaßen nicht sehr kreativ– entschieden wir uns, aufgrund der ganzen Eierkartons, die Sören mit viel Handarbeit überall angebracht hatte, uns schließlich "The Eggbox" zu nennen. Lange hielt diese Namensgebung allerdings nicht, denn noch vor dem ersten Auftritt änderten wir den Band-Namen in "Erratics".
Die ersten zwei Auftritte waren am selben Tag, einmal Vormittags, der andere Abends auf dem 18ten Geburtstag Lenne's damaliger Freundin. Der Tag war super, vormittags war leider nicht viel los, dafür war die Stimmung abends bombig. Alle sangen mit und es machte einen riesigen Spass laut den Rock aus der Garage, in der wir spielten, in die Welt hinaus zu spielen. Allerdings fanden das andere wohl nicht so spassig wie wir, denn es rückte die Polizei an, als es später wurde, dass wir sofort leiser machen sollten, sonst würde es richtig Ärger geben. Schlimm? Nein, schlimm war es nicht, eher eine Ehre, dass bei unserem zweiten Konzert gleich die Polizei auf der Matte stand. Wir waren jedenfalls mit unserem Start zufrieden.
Die Vorbereitung für diese Auftritte war im Grunde beispiellos. Nachdem wir ja eh schon seit längerem 1x pro Woche probten, schoben wir die letzten 2 Wochen vor dem ersten Auftritt einen Probenmarathon ein und so sahen wir uns diese 2 Wochen jeden Tag um 6 Stunden zu proben. Das Resultat war, dass wir wirklich verdammt fit waren, was die Lieder anging und es auf eine Setlist von stolzen 20 Songs brachten. Allerdings sorgte dieses zwanghaft viele "aufeinanderhocken" anscheinend auch zu gewissen Antipathien innerhalb der Band, so kam es zur Trennung nach dem erst dritten Auftritt im Spätsommer auf einem Schulfest.
Lange war nun Pause und es herrschte Stille um die Band. In einer langweiligen Werte und Normen - Stunde (gut, das traf auf viele zu...) redete ich mit Lenne malwieder über die Wiederbelebung der Band und er war auch Feuer und Flamme, schließlich hatten wir Blut geleckt. Mir kam die Idee Nils (ein gemeinsamer Freund und Bekannter von Lenne, Sören und mir) ins Boot zu holen. Er spielte zwar schon seit langem in einer Band, allerdings dort vorrangig als Sänger und zweiter Gitarrist, doch wie wir wussten spielte er auch schon seit langem Schlagzeug, nur eben nicht in einer Band. Nils wurde gefragt, er hatte Lust und so kam die erste Probe der neuen Band zustande.
Schnell stand auch der erste Auftritt fest und zwar im städtischen Jugendhaus von Norden. Für den Auftritt probten wir in neuer Besetzung auch wieder viel, allerdings nur die letzten paar Wochen vorher, nicht kontinuierlich. Gut, zu diesem Zeitpunkt konnten wir uns noch einreden, dass das nur so war, weil es uns einfach so noch nicht so lange gab, allerdings machten wir nach diesem ersten Auftritt wieder eine lange lange Proben-Pause, was sich dann leider als Grundstein für ein fortwärendes Problem herausstellte, wir waren faul! Der erste Auftritt selbst war gut, es hat Spaß gemacht und die Leute, die da waren, hatten auch ihre Freude und wir ihre Sympathien. Anscheinend waren wir sogar so sympathisch, dass sich einige unseren doch etwas gewöhnungsbedürftigen neuen Namen merkten, auch wenn er sich nicht vielen Leuten erschloss.
Der neue Name war malwieder im Proberaum entstanden aus einer 5-minütigen Brainstorm-Session. Letzlich nahmen wir von jedem von uns die ersten zwei Buchstaben des Vornamens, formten daraus zunächst Hini Söle (Hilko Nils Sören Lenne). Da uns dieser Name nach einem Solokünstler klang fügten wir noch ein & Band hinzu. Aus einem Spaß heraus wurde dann aus Band noch Bernd und so tauften wir kurzerhand einen schwarzen Stoffhund, der uns mal bei einem Auftritt –damals noch als Erratics– von Nils auf die Bühne geworfen wurde, ebenfalls Bernd. So wurde er zum Maskottchen der neu formierten Band und war ständig dabei und gewann schon nach dem ersten Konzert an Status, denn bei künftigen Konzerten fragten schnell einige "Wo ist denn Bernd?", wenn er nicht sofort zu sehen war. Den Feinschliff bekam der Bandname dann noch, als aus dem Söle ein Søle wurde — wir wollten das Erraten des Sinns hinter dem neuen Namen nicht zu leicht machen. Durch den skurrilen Namen, das Stofftier-Maskottchen und gewissen lustigen Einlagen auf der Bühne und Nähe zum Publikum avoncierten wir schnell zur Spaß- und Partyband, was uns teils gefiel, teils aber auch nicht, weil wir schließlich als Musiker und Künstler auch ernst genommen werden wollten, was sich allerdings als schwierig erwies, die meisten Belobigungen bezogen sich hauptsächlich auf das "Entertainment" auf der Bühne...
Wie schon erwähnt schickten wir uns nach dem ersten Auftritt malwieder an eine längere Pause einzulegen. Das führte dazu, dass wir ruhten, bis wir wussten, wann der nächste Auftritt ist. Der war dann im Juli 2005 und die letzten zwei bis drei Wochen vorher probten wir, allerdings nicht so exzessiv, wie das früher mal war, aber immerhin probten wir und es reichte aus für einen zufriedenstellenden Auftritt. Der darauffolgende Auftritt schloss sich gleich 2 Wochen später an, sodass wir sogar mal nach einem Auftritt probten, ohne monatelange Pause zu machen.
Der Auftritt fand bei der "Moorfier" statt, jene Veranstaltung bei der wir schon im Vorjahr als Erratics unser Debut abgeliefert hatten. Diesmal war es jedoch enttäuschend, was sich vormittags an Zuschauern eingefunden hatte. Man konnte die Menge an zwei Händen abzählen, allerdings muss ich zugeben, dass ich auch nicht unbedingt für "irgendeine Jugendband" am Wochenende früh dort hingefahren wäre. Wir nahmen es jedenfalls recht gelassen und sahen den Auftritt als eine bessere Probe an, da wir schließlich abgenommen und gemischt wurden, das war doch mal was! Geprobt haben wir danach natürlich malwieder nicht...
Im September rief auf einmal Harald (Chef von der Kneipe "Ulrich") bei Lenne an, ihm sei bei irgendeiner Veranstaltung eine Band ausgefallen, ob wir nicht spontan dafür einspringen könnten. Lenne sagte natürlich sofort zu und fragte danach erst rum, wer denn überhaupt alles Zeit hat. Lenne's Zusage an Harald kam am 14. September, der Auftritt sollte am 23. sein. Wie es unglückliche Zufälle nunmal leider so wollen, hatte ich nur ca. eine Stunde bevor Lenne mir davon erzählte verbindlich bei einem Filmteam aus Hamburg zugesagt, als Ton-Assistent mit zu arbeiten. In diesem Moment betrachtete ich diese Chance bzw. meine Zusage an das Filmteam als Segen aber auch zugleich als Fluch, denn dadurch kam es, dass "wir" am 23. mit einem Ersatzmann spielten. Ich fand das sehr schade, aber konnte auch verstehen, dass die Jungs den Auftritt nicht absagen wollten. Achja, für diesen Gig wurde –wenn ich mich recht erinnere– auch malwieder nur 1-2 mal geprobt vorher...
Monate vergingen malwieder, in denen wir weder probten, noch einen Auftritt hatten. Im Januar 2006 schrieb ich alle an um malwieder etwas Begeisterung für die Band zu sähen. Nachdem der Brief draußen war verging wieder einiges an Zeit, Gespräche unter den einzelnen Bandmitgliedern wurden geführt, denn mittlerweile hatten einige auch keine Lust mehr auf diese reine Spaßband, die nie länger als 1 Monat proben konnte. Letztendlich rauften wir uns doch wieder zusammen, ich organisierte uns einen Auftritt im altbekannten Jugendhaus mit zwei anderen Bands zusammen und wir probten wieder. Diese Proben waren allerdings anders. Wir waren alle vorbereitet. Sören konnte sowieso fast noch alles und das was fehlte kam schnell wieder, Nils hatte auch das Wichtigste drinne, Lenne war fleißig am singen und Texte auswendig lernen und ich konnte den Großteil unserer Lieder auch und was nicht saß hab ich in "Einzelsessions" mit Sören nachgeholt. Die Proben machten eine riesige Freude, was Lenne mal mit dem Satz „Wow, wenn alle ihre Sachen können macht Proben ja total bock!“ kommentierte.
Der Auftritt selbst hat sehr viel Spaß gemacht und die Leute gingen gut ab. Wir selbst waren nur teils zufrieden, wir hatten uns mit ein paar Stücken zu sehr übernommen und hatten versucht sie noch "kurz vor knapp" reinzuprügeln (wir hatten natürlich malwieder nur die letzten zwei Wochen vorher geprobt...), was dann eben dazu führte, dass sie nicht wirklich gut waren und den Anspruch hatten wir dann doch eigentlich schon. Positiv war natürlich, dass das Publikum ordentlich gerockt hat und sie sichtlich ihre Freude an unserer Musik hatten.
Wir hatten viel vor nach diesem Auftritt Anfang Juni. Mehr Auftritte, häufiger proben, es hatte ja jetzt grade so gut geklappt damit und gefiel uns, wir wollten auch gleich nach dem Auftritt wieder proben, damit gar nicht erst wieder so eine lange Pause entstehen kann. Leider, leider wurde nichts daraus. Zuerst war der eine im Urlaub, danach der andere, Termine kamen dazwischen und schließlich bekam ich meinen Ausbildungsplatz in Hannover und somit war dies der letzte Auftritt von Hini Søle & Bernd, leider... da wir natürlich im Grunde schon gewohnt sind, nur kurzfristig für einen Auftritt zu proben, wäre es zu überlegen, ob wir uns nicht alle zusammen Urlaub nehmen, einen Auftritt abmachen und dafür nochmal gemeinsam proben, nur zum Spaß... doch leider bezweifle ich, dass man alle Bandmitglieder von dieser Idee überzeugen und sie dafür begeistern könnte.
Die Zeit mit der Band hat mir sehr viel Freude bereitet. Ich habe es genossen Musik zu machen, auch wenn wir leider nie dazu gekommen sind, eigene Stücke hervor zu bringen... wir waren einfach zu faul, das muss man ganz ehrlich so sagen. Bedauern tue ich das vor allem auch, weil wir dadurch einige Chancen ausgelassen haben, so haben wir zum Beispiel bei einem Konzert mal einen Veranstalter kennengelernt, der uns seine Nummer dagelassen hat, er könnte sich gut vorstellen, dass er uns mal bei einem OpenAir spielen läßt... angerufen haben wir nie. Genauso wurden wir von Kneipenbesitzern angesprochen, wir würden ja gut Stimmung machen und unsere rockige Musik würde zur Kneipe passen, wir sollten uns mal melden um dort zu spielen... auch hier: nie angerufen. Im Nachhinein sehr schade, ich hätte die Zeit gerne intensiver genutzt und würde auch gerne mit genau dieser Band nochmal zusammen spielen, die Proben waren einfach zu witzig, die Auftritte zu toll und die Jungs sind zu sehr unikat, als dass man sowas leicht wiedertrifft.
Abschließend möchte ich sagen, dass Hini Søle & Bernd für mich ein Projekt war, dass ich nur ungerne misse, es hat einen riesen Spaß gemacht, wenn es auch nie von besonders großem Erfolg gekrönt war!
Euer "2. Bassist"